Die Aussteller lockten das Fachpublikum mit kostenlosem Eis, Kaffee oder Gauklerdarbietungen an ihre Stände, um dort ihre Dienstleistungen zu offerieren. Zu einer Vielzahl von Themen wurden Vorträge bzw. Produktpräsentationen, aber auch kontroverse Podiumsdiskussionen angeboten. Clustert man die Themen der Zukunft Personal 2011, so kristallisieren sich die Trends Recruiting, Retention und Wissensmanagement heraus. Würde man nun alle Themen der Messe noch weiter abstrahieren, so gelänge man zu den beiden Mega Trends, dem demografischen Wandel und dem Internet.

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Lutz von Rosenstiel als Keynotespeaker referierte über das Thema Talentmanagement. Im Rahmen seiner Ausführungen stellte er in meinen Augen zwei interessante Thesen auf. Zum Einen vertrat er die Ansicht, dass Führungskräfte durchaus mit Führungstheorien vertraut sind, aber sie dieses Wissen in entsprechenden Situationen nicht abrufen. Diese These könnte u.a dadurch gestützt werden, dass der Mensch sich stärker vom Bauchgefühl, als vom Verstand leiten lässt (Klein, 2004). Dieser Ansatz ließe Rückschlüsse auf das Führungsverhalten von emotional gesteuerten Führungskräften zu. Zum Anderen hielt er fest, dass Führungskräfte dazu neigen, sich in Organisationen selbst zu duplizieren, d.h., dass sie von ihren Mitarbeitern indirekt verlangen, die eigenen Verhaltensmuster anzunehmen.

Enttäuschend war hingegen der Vortrag Neuroleadership – Neues Führungsverhalten auf Basis neurowissenschaftlicher Erkenntnisse, von Prof. Theo Peters. Leider gelang es ihm nicht einen Link zwischen dem Titel und den Erkenntnissen aus der neuralen Forschung zu diesem Thema dem Auditorium verständlich zu machen. Ursache und Wirkung von sog. „Spiegelneuronen“, „Spindelzellen“ und „Oszillatoren“ (WISU, 2008) blieben bei seinen Ausführungen unberücksichtigt. Vielmehr stellte Professor Peters die von ihm entwickelten vier neurowissenschaftlichen Grundbedürfnisse vor. Das die entwickelten Bedürfnisse: Orientierung, Bindung, Selbstfindung und Lust auch im Kontext der Forschungsergebnisse von Herzberg, McGregor und Maslow wiederzufinden sind, ist allerdings kein Zufall. Im Sinne Peters bedingt Neuroleadership ein Führungsverhalten, welches sich auf diese vier Grundbedürfnisse fokussiert. Durch neuronale Reaktionen, kann es dann beispielsweise zu einer Ausschüttung des „Glückshormons“ Dopamin kommen, welcher u.a. die Wahrnehmungs- und Lernfähigkeit steigern kann. Den Beweis wie Neuroleadership im Sinne Peters jedoch praktisch umzusetzen sei, blieb er dem Auditorium schuldig.

Unter dem Strich war die Messe für mich eine große Enttäuschung. Die „HR-Innovativen“ der Zukunft Personal 2011 (metaHR, 2011) erschlossen sich mir nicht zur Gänze. Das mag jedoch dem Umstand geschuldet sein, dass zu den Adressaten dieser Messe die Studierendenschaft sicherlich nicht gehörte. So bleibt also abschließend nur zu hoffen, dass die Lektüre des von Herrn Peters ausführlich beworbenen Buches wenigstens zu einer Dopaminfreisetzung bei mir führt.

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