Rückblick:

Vor geraumer Zeit schrieb ich im Rahmen meines Artikels „my Bar.werbung im Praxistest“ verschiedene Unternehmen an, um QR-Codes in Bewerbungsschreiben auf ihre Praxistauglichkeit hin zu untersuchen. Leider erhielt ich von einigen angeschriebenen Unternehmen kein Feedback auf meine Bewerbung. Darunter zählte u.a. auch die Helios Media GmbH. Nach gut vier Monaten erhielt ich dann doch noch eine Antwort auf meine Bewerbung. Dieses reichlich verspätete Feedback nahm ich zum Anlass, mich etwas intensiver mit der Helios Media GmbH zu beschäftigen.

Die Helios Media GmbH startet das Projekt Recruiting im Web 2.0

Mit diesem Aufmacher wirbt die Helios Media GmbH (u.a. Magazin Human Resources Manager) seit Anfang Februar in der Rubrik Job & Karriere auf ihrer Unternehmenshomepage. Web 2.0 Auftritte auf Youtube und Twitter (vorhanden, aber leider nicht gefunden) sucht man allerdings vergeblich.

Auf Facebook wird man zwar fündig, doch handelt es sich bei dem Profil der Helios Media GmbH lediglich um einen Testaccount, der anscheinend das letzte Mal vor mehreren Monaten angefasst wurde. Selbst das Xing Profil wirkt vernachlässigt, zumindest ist hier keine der immerhin 27 freien Vakanzen veröffentlicht.

Was hat es also nun mit dem Projekt „Recruiting im Web 2.0“ auf sich?

Nach eigenen Angaben ist die Helios Media GmbH eines der ersten Unternehmen weltweit, welches ihre Stellenausschreibungen im Blog-Format veröffentlicht. Den Bewerbern wird auf den neu gestalteten Karriereseiten die Möglichkeit geboten, die Stellenausschreibungen mit eigenen Kommentaren zu versehen.

Ihnen als Interessenten bietet sich so die Möglichkeit (anonym) Fragen zu den jeweiligen Ausschreibungen zu stellen. So können im Vorfeld einer Bewerbung eventuelle Unklarheiten bzw. offene Fragen beseitigt werden.

Diese gewährten Freiheiten veranlassten mich zu einem Selbsttest. Ich kommentierte kurzerhand die Ausschreibung zum Trainee Social Media Marketing und stellte Fragen, die über „ist die Stelle noch frei?“ oder „wie lange dauert es bis ich eine Antwort auf meine Bewerbung bekomme“ hinaus gingen. Gleichzeitig stellte ich per Mail eine Anfrage an das HRM um weitere Hintergründe zu diesem Projekt für meinen Blog zu erfahren.

Mein erster Kommentar wurde rasch, wenn auch nicht zu 100% zufriedenstellend beantwortet.

Durch die öffentliche Kommunikation steht das HRM nun vor der großen Herausforderung, sich einem ehrlichen Dialog mit dem Bewerber stellen zu müssen bzw. zu können. Anders als bei der Nutzung von Kommunikationskanälen wie Facebook oder Twitter, ist in der vorliegenden Blog-Form die Kommunikation stark mit der jeweiligen Ausschreibung verbunden.

Interessant wird es, sobald hier kritische Fragen gestellt werden. Dann bedarf es seitens des HRM viel Feingefühl in der Kommunikation. Zum einen muss dabei das Image des Arbeitgebers gewahrt und zum anderen auch der kritische Kommentar angemessen beantwortet werden. Für einen Außenstehenden darf dabei zu keiner Zeit der Eindruck entstehen, dass die Kommunikation lästig oder aufgesetzt wirkt, da andernfalls die Glaubwürdigkeit stark leiden dürfte. Eine Löschung kritischer Kommentare ist ebenfalls ausgeschlossen. Zwar wäre dies technisch durchaus möglich, aber im Sinne dieser bewusst gewählten Kommunikationsform sehr schädlich (Streisand Effekt). Somit wird zwangsläufig jeder neue Bewerber mit der vorangegangen kritischen Auseinandersetzung konfrontiert und ob das für das Recruiting unbedingt förderlich ist sei dahingestellt.

Da ich das Projekt dennoch sehr spannend finde, erfragte ich die Hintergründe und erhielt eine zeitnahe und umfassende Stellungnahme seitens der Personalabteilung der Helios Media GmbH.

Liegt dem Projekt „Recruiting im Web 2.0“ ein Konzept zugrunde und sind im Rahmen dieses Projektes auch weitere Recruiting-Maßnahmen (über den Blog hinaus) im Web 2.0 geplant?

Ziel des Jobblogs ist es, direkt mit dem Bewerber in Verbindung zu treten und eine schnelle Interaktion zu fördern.

Vorteile sind:

  • Anonymität des Bewerbers
  • 1 Person fragt aber alle Personen erhalten die Information
  • mehr Transparenz für die Bewerber

Seit längerer Zeit twittern wir Stellenausschreibungen. Durch den „Gefällt mir“-Button unter den Ausschreibungen im Jobblog hoffen wir auch auf verstärkte Verbreitung im Facebook. Der Blog soll eine Innovation darstellen, um das Recruiting zeitgemäßer werden zu lassen.

Seit wann nutzen Sie diese Form der Ausschreibung und wie ist Resonanz?

Wir sind mit diesem Format seit dem 01. Februar 2012 online. Die Vorüberlegungen und Planungen dauerten ca. 6 Monate. Die Resonanz ist noch vergleichsweise gering. Wir sind allerdings davon überzeugt, dass sich dieses Format mit zunehmender Bekanntheit durchsetzen wird.

Wie würden Sie mit kritischen Bewerberfragen umgehen?

Wir nehmen jede Frage und jeden Kommentar ernst. Wir werden uns auch immer mit kritischen Aussagen auseinandersetzen, da gerade konstruktive Kritik und das Aufzeigen von Problemen den Entwicklungsprozess eines Unternehmens entscheidend fördern können. Unseriöse Aussagen werden aber durch einen Spamschutz gefiltert.

Soweit die Theorie. In der Praxis konfrontierte ich das HR-Team der Helios Media GmbH in einem zweiten Kommentar mit ihrem Arbeitgeberprofil auf kununu.com.

Ich hätte mir weniger eine Begründung bzw. Entschuldigung, als vielmehr eine konkrete Auseinandersetzung mit der Problematik und daraus resultierende Maßnahmen bzw. mögliche Perspektiven gewünscht. So entstand bei mir eher der Eindruck, das man zwar die negativen Bewertungen bedauere, aber diese nun mal vorkommen, wenn die (zu hohen) Erwartungen der Berufseinsteiger bei der Helios Media GmbH nicht erfüllt werden.

Fazit:

Ich finde den Ansatz der Stellenausschreibungen als Blog grundsätzlich sehr interessant. Persönlich würde ich jedoch im Rahmen des Recruiting andere Web 2.0 Kanäle dem Blog vorziehen. Zudem sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass wenn man im Licht des Web 2.0 steht, man auch einen Schatten wirft. Diesen gilt es zu kennen und zu managen.

Eine Antwort »

  1. Erstes Unternehmen weltweit, haha. Tibor, ein wunderbares Beispiel, was du da heraus gegriffen hast. Abgesehen von dem, was du da schreibst, zeigt das Beispiel aber auch ein weiteres Missverständnis: Der Blog wird als Stellenbörse „missbraucht“. Die wesentlichen Fehler – z. B. beim Gestalten der Stellenanzeige (Inhalt/Tonalität) – werden vom „klassischen“ Web auf das „Social Web“ übertragen. Über die Kommunikations- und Darstellungsmängel kann auch so ein Blog nicht drüber hinwegtäuschen. Vielen Dank noch mal!

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