Neulich ist mir auf dem Weg zur Arbeit eine Tram der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aufgefallen. Auf der Tram der Linie M13 wurde in eigener Sache für die Karriere bei der BVG geworben. Die Idee, die Fahrgäste dabei passiv in die Kampagne einzubinden, fand ich im ersten Moment recht originell. Grund genug, um mich etwas genauer mit der BVG zu beschäftigen. Da ich für meinen Arbeitsweg eh ca. eine Stunde mit dem öffentlichen Nahverkehr benötige, beschloss ich in dieser Zeit eine kleine Hintergrundrecherche mit meinem Smartphone zu betreiben.

Mein erster Abstecher führte mich auf die mobile Version der BVG-Homepage; das war jedoch ein ziemlicher Reinfall. Bis auf die Möglichkeit sich Fahrverbindungen anzeigen zu lassen (die BVG App ist im Vergleich dazu eine runde Sache), gibt es hier ansonsten keine Hintergrundinformationen zur BVG als Arbeitgeber.

Auf der klassischen Website konnte ich dann den Reiter Karriere nach einigem Wischen, Vergrößern und Klicken finden und was soll ich sagen… naja… schön ist anders. Die in meinen Augen etwas lieblos und zweidimensional gestalteten Rubriken bieten zwar einen Einblick, aber emotional wird ein (potenzieller) Bewerber hier nicht wirklich abgeholt. Beispiel gefällig:

Fach- und Führungskräfte

Passt: Die BVG bietet Fach- und Führungskräften ein breites Spektrum an Einsatzbereichen und Herausforderungen. Genau der richtige Ort also für Ihre berufliche Veränderung und fachliche Weiterentwicklung.

Wir freuen uns, dass Sie sich für die BVG als Arbeitgeber interessieren.

Mehr Content liefern da die Seiten für Schüler, Studenten und Absolventen. Seit 2013 kann sich diese Zielgruppe zudem auch auf der Connecticum ein Bild von der BVG als Arbeitgeber machen.

Nachdem ich meinen ersten Wissensdurst gestillt hatte, warf ich einen kurzen Blick auf die aktuellen Stellenausschreibungen. Diese lesen sich bei der BVG folgendermaßen:

Weichenschlosserin bzw. Weichenschlosser (714-EX),
Elektroingenieurin bzw. Elektroingenieur (710-EX) oder
techn. Projektleiterin bzw. techn. Projektleiter für Leit- und Sicherungstechnik.

Nicht wirklich zeitgemäß. Da ist selbst die Messe Berlin noch innovativer, die Ihre Stellen- auschreibungen mit einem Gender-Gap versieht.

Passend hierzu habe ich auf Youtube ein Statement der BVG-Vorstandsvorsitzenden Frau Dr. Sigrid Evelyn Nikutta aus dem Jahr 2011 anlässlich der in Berlin stattfindenden Pride Weeks gefunden; also warum die „gelebte“ Toleranz bei der BVG nicht einfach in die Stellenausschreibungen mit einfließen lassen!?

Aber zurück zum eigentlichen Thema.

Abseits der BVG-Homepage gestaltete es sich schwierig, an Informationen zu der BVG als Arbeitgeber zu gelangen. So findet man beispielsweise auf Xing viele BVGler, aber keine offizielle Firmenseite und auch auf Kununu lässt man die sehr durchwachsenen Arbeitgeberbewertungen von offizieller Seite lieber unkommentiert. Auf Facebook bzw. Twitter  habe ich mich entweder nicht geschickt genug angestellt, oder aber es gibt auf diesen Portalen tatsächlich keine offiziellen Firmenprofile. Auf einer inoffiziellen BVG-Fanpage fand ich allerdings ein Posting aus dem Jahr 2011 – viel ist seit dem wohl nicht passiert.

Über einige Umwege entdeckte ich schließlich den aktuellen Geschäftsbericht der BVG und wurde endlich fündig. Authentische Bilder von Mitarbeitern, eine ansprechende grafische Gestaltung, prägnante Überschriften und interessanter Content – was will man mehr.

Auch die BVG steht vor dem Hintergrund des demografischen Wandels vor großen Herausforderungen. […] Da das Unternehmen möglichst auf die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen möchte, wurde das Förderprogramm „Jump 2020“ für die interne Qualifizierung entwickelt. In Seminaren, die übrigens zum Teil auch in der Freizeit stattfinden, werden Kompetenzen in Themen wie Kommunikation, Gesprächsführung und entsprechende Präsentationstechniken vermittelt, aber auch Kenntnisse in rechtlichen Fragen, dem Konfliktmanagement und in Aufbau und der Struktur des Unternehmens.

Um am Arbeitsmarkt als interessanter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, hat die BVG ihr Hochschulmarketing auch in diesem Geschäftsjahr weiter ausgebaut. […] Die BVG förderte in diesem Geschäftsjahr erstmals das Deutschlandstipendium und engagiert sich damit für die Hochschule für Wirtschaft und Technik Berlin, der es so möglich ist, Studierende, die besonderes gesellschaftliches Engagement und hervorragende Leistungen zeigen, zu unterstützen.

Nach einer Stunde mit der BVG quer durch Berlin bin ich dann pünktlich (vielen Dank liebe BVG) auf meiner  Arbeit angekommen. Mein Smartphone gierte zwar nun nach Strom, aber ich konnte mir ein mehr oder minder umfassendes Bild zur BVG machen. Bin ich jetzt etwas schlauer? Vielleicht. Würde ich mich nun bei der BVG bewerben? Eher nicht…

 

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